Bloch MB.158 – Die wahre “Langnasen-Dora”

Es ist die Sensation des Jahres, darüber sind sich die Luftfahrt-Historiker einig. Der vor kurzem im “Le Figaro” erschienene Artikel über die wahre Entstehungsgeschichte der Focke Wulf 190 D, der sogenannten “Langnasen-Dora”, hat weltweit für Furore gesorgt. Der berühmte deutsche Jäger ist eine rein französische Konstruktion! Das haben zwei Journalisten nach jahrelanger Recherche jetzt lückenlos nachweisen können. Eines steht schon jetzt fest: Die deutsche Luftfahrtgeschichte des Zweiten Weltkrieges muss teilweise völlig neu geschrieben werden!

Eher zufällig stießen Jean Beton und Clement Cement beim Stöbern im französischen Nationalarchiv auf ein paar Unterlagen, die sie einem Luftfahrtexperten zur Prüfung übergaben. Erst danach entwickelte sich daraus eine echte Sensation. Heute steht fest: Marcel Bloch ist der wahre Erfinder der Focke Wulf 190D und nicht wie bislang angenommen der deutsche Ingenieur Kurt Tank!

Bloch MB.158 V1. Beim Jungfernflug löste sich ein Teil der Triebwerksverkleidung. Das Foto wurde damals offensichtlich vom Zensor retuschiert.

Dabei ging Bloch ähnlich vor wie sein deutscher Berufskollege. Um aus der erfolgreichen Jägerfamilie Bloch MB.150/151/152/155/157 das Letzte herauszuholen, musste ein stärkeres Triebwerk her, welches wiederum einen längeren Rumpf zur Folge hatte. So verbesserte man das Handling der Maschine. Die Flugleistungen der Bloch MB.158 (mit ebenfalls neu entwickelten Gnome-Rhône Pompadour-Triebwerk) waren phänomenal! Die deutschen Besatzer ließen jedoch nur noch den Bau von drei Prototypen zu. Danach mussten alle Arbeiten eingestellt werden. Die Bloch MB.158 war Geschichte und geriet kurzfristig in Vergessenheit. Die bereits fertiggestellten Produktionsanlagen in St. Kúrbis wurden zu Hühnerställen umgebaut.

“Kurt Tank hat sich mit französischen Federn geschmückt”, sagt Cement nicht ganz ohne vaterländischen Stolz. “Er hat das Potenzial dieser genialen Konstruktion sofort erkannt und es dann einfach als seine eigene Erfindung ausgegeben.” Die Konstruktionspläne hatte ihm ein unbekannter Vertrauter über das Reichsluftfahrtministerium zugespielt.

“Die D-Version der “190er” hätte ursprünglich ganz anders ausgesehen” ergänzt Beton. „Aber der Bloch -Entwurf war in allen Bereichen so überlegen, dass Tank die Weiterentwicklung seines eigenen Jagdflugzeuges sofort stoppte. Außerdem zwang die immer schlechter werdende Kriegslage zur Eile. Da kam die „158er“ gerade recht.“

Der zweite Prototyp. Bloch experimentierte zwischendurch auch mit einem kürzeren Rumpf. Die ersten beiden Maschinen flogen noch mit Gnome-Rhône 14R-Triebwerk.

Aber Kurt Tank hatte einen Ruf zu verteidigen. Also verpasste er der schnittigen wie leistungsstarken Maschine einen etwas anderen Look. Überall wo er konnte, verbaute er Teile aus bereits produzierten 190er- Serien, teilweise mit nur leichten Änderungen. Er passte hier wie da Bleche an und sorgte für ein etwas kantigeres Erscheinungsbild. Nun sah die Maschine auch optisch aus wie seine eigene Kreation. Die damit einhergehenden Leistungsverschlechterungen, vor allem in der Aerodynamik, nahm er in Kauf. Die “Beute-Focke” war immer noch in allen wichtigen Bereichen überlegen.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die “Langnasen-Dora” gilt seitdem als eines der besten Jagdflugzeuge der Zweiten Weltkrieges.

Prototyp Nummer 3. Mit dem neuen Pompadour-Triebwerk konnte die MB.158 Ihre volle Leistungskraft entfalten.

Über die Folgen dieser Recherche lässt sich momentan nur spekulieren. Fakt ist jedenfalls, dass die Firma Heller bereits Interesse an den Konstruktionsplänen gezeigt hat. Sie möchte ein Modell im Maßstab 1:48 herausbringen.

Der französische Modellbauverein IPMS France gab an, der Verkauf von Focke Wulf 190-Bausätzen sei im Inland um ca. 70% zurückgegangen.

Die Zeitung Flugzeug Classic nahm in Deutschland das gerade erschienene 137. Sonderheft zum Thema Focke Wulf 190 sofort vom Markt. Auf Nachfrage hieß es: „Kein Kommentar!“

Im Netz wird der ehemalige Stolz der deutschen Luftwaffe jedenfalls schon  als „Baguette-Bomber“ verspottet.

Den vollständig ins Deutsche übersetzten Bericht des “Le Figaro” lesen Sie hier. Dort erfahrt ihr auch, warum das Pompadour-Triebwerk nicht ebenfalls einfach kopiert wurde und man stattdessen lieber einen weniger tauglicheren Bomber-Motor aus deutscher Produktion wählte.

Marco Doehring, Stuttgart (1. April 2025)